Auch die Neu-Beschenowaer bekommen ihr Heimatbuch
Vom Heimatortstreffen in Salzburg
Es sei vorweggenommen: ein Abend im Kreis der Landsleute aus Neu-Beschenowa
ist für jeden Landsmann ein Erlebnis! Es sei festgehalten, die ehemaligen
Bewohner dieser Banater Gemeinde zeichnen sich durch ein besonders starkes Zusammengehörigkeitsgefühl aus, das sich auch in echter Hilfsbereitschaft äußert, wenn irgendein Notfall auftritt. Die Beschenowaer verstehen es auch trefflich, frohe Feste zu
feiern.
Die Landsleute, die in Salzburg einen Schwerpunkt bilden, luden zum dritten mal zu einem Ortstreffen ein, das am 27. und 28. August in der Festspielstadt abgehalten wurde. Wieder waren Landsleute aus allen Teilen Österreichs, der Bundesrepublik, aber auch aus Übersee (Kanada) und sogar aus der alten Heimat gekommen. Sie alle hatten in diesem
Jahr die besondere Freude, den wohl prominentesten Sohn der Gemeinde Prälat Nischbach, begrüßen zu können, der in den vergangenen Wochen in Bad Reichenhall zur Kur weilte und das Treffen durch seine persönliche Anwesenheit auszeichnete. Wenn ein ärztliches Verbot ihn auch daran hinderte, eine seiner zündenden Ansprachen zu halten und während des Gottesdienstes zu predigen, So konnte ihn doch kein Machtwort davon abhalten, allen, die sich um ihn scharten, die Hand zu schütteln und ein paar herzliche und ganz persönliche Worte an sie zu richten. So bildete Prälat Nischbach den Mittelpunkt des Begrüßungsabends, zu dem sich am Samstag abend im großen Harrer-Saal rund 140 Landsleute eingefunden hatten.
Lm. Mathias Philipp erinnerte in seiner Eröffnungsansprache an den schönen Brauch der Nachbarschaftshilfe, der in Neu-Beschenowa immer hochgehalten wurde und stellte fest, daß sich diese enge Verbundenheit trotz Flucht und Vertreibung erhalten habe. Sie weiter
zu pflegen, sei der tiefere Sinn der Heimatortstreffen. Die Vergangenheit dürfte nicht vergessen, sondern ein Begriff davon der Jugend vermittelt werden. In einer Schweigeminute, zu der sich die Anwesenden von ihren Sitzen erhoben, wurde der alten Heimat und aller ihrer Menschen gedacht.
Heimatbuch findet Anklang
Das diesjährige Treffen stellte sich aber noch eine ganz besondere Aufgabe. Es wurde den Landsleuten die bedeutsame Frage gestellt, ob sie bereit seien, ein Werk zu tragen, das man mit Recht als den letzten Dienst an der Heimat bezeichnen kann: die Herausgabe eines Heimatbuches. Die Frage wurde mit einem dreifachen „Ja“ beantwortet, und da das Eisen geschmiedet werden muß, solange es heiß ist, wurden sofort Listen
aufgelegt, in die die Buchbestellungen an Ort und Stelle eingetragen werden konnten. Zur Ehre der Betreffenden sei vermerkt, daß einige gleich zwei und mehr Heimatbücher bestellten!
Die Belohnung für dieses verständnisvolle Mitgehen folgte auf dem Fuß. Die Lichter im Saal erloschen und aus dem Dunkel lösten sich in bunter Folge Bilder um Bilder der alten Heimat, die das hellste Entzücken der Anwesenden hervorriefen. Neu-Beschenowa, das 1748 von Siedlern aus der Pfalz, dem Saarland, dem Schwarzwald und der Eifel gegründet wurde, zog an den Augen seiner ehemaligen Bewohner vorüber. Zuerst erschien die schon 1751 errichtete Kirche mit ihrem charakteristischen Spitzturm auf der Leinwand. Aber auch das Kircheninnere, und die festlich gekleideten Menschen, die sonntags dem Gotteshaus zustrebten, wurden gezeigt. Und dann sah man in zum Teil herrlichen Farbdias unsere Menschen an der Arbeit in Haus und Feld. Wie sie am frühen Morgen auf dem Leiterwagen den Hof verließen, wie sie .auf wogenden Weizenfeldern
Ernte hielten, wie sie diese einbrachten und hohe Tristen aufrichteten … Freudig gingen die Zuschauer mit und stellten lebhafte Vermutungen darüber an, wer auf dem einen oder anderen Bild zu sehen war. Größte Heiterkeit löste eine Gruppe von Hosenmätzen aus, aus denen inzwischen reife Männer geworden sind. Die Bilder wurden von Frl. Betty Koradini (Bad Reichenhall) und Frau Helene Meister (Salzburg) vorgeführt.
Hier hat es eine Gemeinschaft fertiggebracht, sich die Heimat im Herzen zu erhalten, und so sah man, wo immer man hinblickte, fröhliche Gesichter. Und was bei den Beschenowaern noch .angenehm auffällt! Sie bringen zu ihren Zusammenkünften
auch ihre Kinder mit, und diese langweilen sich kein bißchen, sondern lassen sich gerne von den Älteren in eine Welt führen, die sie zwar nicht mehr aus eigener Anschauung
kennen, die ihnen aber dennoch nicht fremd ist. Auch dieser Zug ist vorbildlich und wird zur Nachahmung empfohlen.
Der Sonntagvormittag vereinte die Teilnehmer des Treffens bei einem von Prälat Nischbach zelebrierten Gottesdienst in der Maxglaner Kirche und bei einem anschließenden Mittagsmahl, an das sich wieder ein gemütliches Beisammensein schloß.
Aus „Banater Post“ 15. September 1960
Hier ist noch ein Treffen